Mittwoch, 10. April 2019

Das leben mit mehr als nur einem Hund :)

Die Pfotengang, kein Rudel, ich mag diesen Begriff nicht, ist er doch durch die Natur geprägt. Ich nenne sie lieber Familie oder Gruppe, da Mensch sie zusammengeführt und -gefügt hat. Kleine und Große, Teamplayer und Eigenbrödler. Es ist halt wie im richtigen Leben. Das Leben mit ihnen ist weit weniger unspektakulär als man glaubt. Meine Hund sind wie andere Lebewesen auch, manchmal schlecht gelaunt, manchmal fröhlich, frech, unwillig, schmusebedürftig, weinerlich, anhänglich, ängstlich, liebenswert und manchmal unbegreiflich. Die wirkliche Arbeit mit ihnen liegt darin, sie immer wieder neu einschätzen zu können, Probleme umzulenken, denn kein Tag ist wie der andere. Aufmerksam muss ich sein, bin ich es nicht, entwickelt die Gruppe ihre eigene Dynamik. Es gibt Tage, an denen alles glatt läuft. Da kann ich die Spaziergänge genießen, da ist Ruhe in de Gruppe. Es gibt andere Tage, da möchte ich sie alle dem Nächstbesten mitgeben und meinen Frieden haben.

Ganz wichtig, wenn man mit vielen Hunden zusammen lebt ist eine klare Struktur, klare Regeln, ein gutes Zeitmanagement und gute Freunde, die im Notfall auch einspringen.

Der normale Tag ist unspektakulär. Wachwerden, aufstehen - jeder Hund ist da anders. Der eine springt sofort hoch, der andere benutzt das Bett als Hüpfburg und die Zwergpinscher krabbeln ganz langsam unter ihren Decken hervor. Durchs Treppenhaus rennen die Cocker mit Gebrüll, damit auch jeder mitkriegt "Hallo, neuer Tag, wir sind da". Pointermädchen Tammy geht auf der Treppe verloren, bestimmt ist da wieder irgendwo ein Monster, dass sie erschreckt hat, ich muss ihr helfen. Dann raus in den Garten und sofort sind alle mucksmäuschen still. Einer der Momente, in denen ich stolz bin auf die Erziehungsversuche. Erziehung: Der eine oder andere kann Sitz, Platz, Bleib. Wichtiger ist mir allerdings die soziale Kompetenz, dass sie mit Mensch und Tier zurecht kommen. Sie springen nicht über Tisch und Bänke, sind also gut erzogen.

Der erste Spaziergang des Tages ist dann auch nicht besonders lang. Zum einen sind alle Hunde schon etwas älter und zum anderen bin ich der Meinung, dass zusammen toben im Garten mehr ist als durch Straßen an der Leine zu tappern. Frühstück - immer wieder spannend. Alle sind hibbelig und passen genau auf, damit ich keinen vergesse. Wer mag was, wer bekommt welche Medikamente. Cockermädchen Bixy schmeckt es heute nicht. Zum Aussitzen ist sie zu alt und krank, also bekommt sie etwas besonders Leckeres. Alle anderen fressen und kontrollieren gegenseitig die Näpfe. Zwergpinscher Puck setzt seine Unschuldsmiene auf "mein Napf war leer, ich habe nichts gekriegt", sein Kugelbauch sagt etwas anderes. Für mich ein Kaffee, dann nochmal eine Gartenrunde, Hunde aufteilen wer mit wem zusammen alleine bleiben kann. Seit Theo blind und dement ist, ist da ein bisschen Vorsicht geboten. Er mag zuviel Trubel nicht und kann dann schon mal unwirsch werden. Schnell noch die Hundedecken für die Wäsche einsammeln und kurz durch die Wohnung wischen. Und während ich dann das Futtergeld verdiene, geht mein Sohn mit der zweiten Hundegruppe spazieren. Mittagspause - da werden die Hunde im Garten bespasst und für den einen oder anderen gibt es Erziehungsversuche. Theo spielt mit dem Gummitier, er orientiert sich am Geruch, wirft es hoch, sucht es. Er ist gut gelaunt. Manchmal lebt er aber auch in seiner dementen Welt, dann findet er sich nicht zurecht, bleibt stehen, ruft nach mir, mag die Nähe der anderen nicht. Nachmittags geht es dann nochmal in den Wald oder aufs Feld, oft gehen hier Freunde mit ihren Hunden mit, zusammen macht es mehr Spaß. Getrennten Gruppen, die Alten können mit dem Tempo der Jungen nicht mithalten, der eine oder andere möchte manchmal auch lieber kuscheln. Ganz klar zu sehen ist, dass sie zusammen stärker, lauter, frecher sind und auch schon mal stänkern. Stress kommt nur auf, wenn uns Hundebesitzer begegnen, die partout nicht verstehen, dass es keine gute Idee ist, ihren Hund in eine Gruppe angeleinter Hunde rennen zu lassen "lassen Sie ihre doch einfach los". Ja, nee, ist klar. Angsthund Tammy allein im Wald - eine schreckliche Vorstellung. Oder der blinde Theo. 

Das Futter abends muss sich die Pfotengang später im Garten suchen. Nur die Sonderfälle bekommen etwas extra. Und dann liegen alle gemütlich auf ihren Decken, Kissen und ja, auch auf dem Sofa. Kneipenbesuche sind bei mir nicht drin, ganz ehrlich, darauf lege ich auch keinen Wert. Freunde kommen gerne denn "bei Dir gibt es immer etwas zum kuscheln". Freunde besuchen, niemals alleine. Mindestens ein Hund kommt immer mit. Die Besuche werden geplant, damit immer jemand zu Stelle ist, der mal nach den Hunden schauen kann. Die Mädels kommen immer mit, wenn ich eine alte 92 jährige Dame besuche. Sie liebt die Hunde, die Hunde lieben sie.

In unserem Zuhause stehen überall Hundekörbe,liegen Hundekissen, auf den Sofas liegen Decken. Wo ich bin, sind die Hunde. Alles ist irgendwie hundetauglich aber doch gemütlich. Was auch nicht unerwähnt bleiben darf ist, dass es ohne Garten nicht geht. Und da weder ich noch die Hunde keinen grünen Daumen haben und die Pfotengang großartig im Vernichten von kleinen Pflanzen ist, verstehen wir uns auch da. Obst ist auch für die Hunde da. Erdbeeren, Himbeeren und sonstige Beeren werden gefressen, Pfirsiche holen sie sich direkt vom Baum. Aber was solls? Es ist genauso ihr zuhause wie meins und deshalb haben sie ihren eigenen Apfelbaum, von dem sie die Äpfel pflücken und fressen dürfen. Also alles ganz normal. Eigentlich :)

Das Leben mit 7, ja 7 Hunden ist niemals langweilig. Und es ist auch nicht aufopferungsvoll. Mancher mag jetzt erstaunt, ungläubig, mitleidig schauen. Ich habe es mir selbst ausgesucht. 4 von den Hunden waren Pflegehunde und sind bei mir geblieben. Es hat gepasst. Und wer sie alle sieht, wer mit ihnen spazierengeht, mit ihnen die Natur genießt, ihre Liebe spürt, spürt, wie der eine oder andere seine Nase unter den Arm oder in die Hand schiebt, der wird es verstehen. Ach ja, es gibt noch einen achten Platz. Der aber im Moment unbesetzt ist. Das ist der Platz, auf den irgendwann wieder ein neuer Pflegehund ziehen wird. Aber im Moment habe ich ja Angsthund Tammy. Und den blinden Theo und die alte kranke Bixy. Und Toni, Honey, Oscar, Puck. Und wie sollte es anders sein: es gibt da noch die Katzen Pinuu und Tiffy. Wer rechnen will, kann es gerne tun :)

 






Donnerstag, 14. Februar 2019

Lala hat sich auf den Weg gemacht


Am Dienstag ist unsere kleine Lala über die Regenbogenbrücke gegangen. Ganz still und leise, so wie sie gelebt hat.

Im Dezember 2015 kam sie als Pflegehund zu uns. Von einem dubiosen Verein. Da ich befürchten musste, dass Lala bei diese Verein auf dem sogenannten Gnadenhof verwahrlose würde, einzig um Spendengelder zu sammeln, habe ich Lala adoptiert. Und diese Entscheidung war ein wirklicher Glücksgriff.

Beschreiben Sie Ihren Hund mit nur einem Wort: "Lieb". Lala war einfach nur lieb. Zu allem und jedem. Sie hatte eine wunderbare ruhige Art, die Dinge anzugehen. Und es war so leicht, sie zu lieben. Eine Freundin hat mal über sie geschrieben „eine so liebe reine Seele“.

Mit Bixy wurde sie ganz schnell ein Dreamteam. Meine siamesischen Zwillinge nannte ich sie oft. Sie spielten zusammen, schliefen zusammen, fraßen zusammen, gingen zusammen spazieren. Nur eins machten sie nicht zusammen. Bixy bellte für Lala mit, denn Lala bellte nicht. Und Lala frönte der Jagdleidenschaft. Mäuse waren ganz ihr Ding und ganz schnell wurde unser Garten mäusefrei. Oft kam sie strahlend zu mir, im Maul eine Maus, nur der Mäuseschwanz hing raus. Und wenn sie nicht gerade Mäuse durch die Gegend trug, dann eben ihren Dotti.

Lala, Lalka, Lalala, Du hattest keine Chance gegen den scheiß Krebs. Seit Monaten lebten wir mit der Diagnose "2 Tage oder ein halbes Jahr". Dein kleiner Körper war machtlos gegen die Tumore, die sich überall rasend schnell ausbreiteten.

Die letzten Tage hast Du gezeigt, dass es nicht mehr lange gehen wird mit uns. Garten war nicht mehr so Deins, auch das Futter war nicht mehr so wichtig. Nur die Spaziergänge in unserem Zauberwald, die waren wichtig. Da warst Du wieder die kleine Mäusejägerin.

Du hast Dir den Zeitpunkt selbst ausgesucht und bist in Würde in unserer Mitte für immer eingeschlafen. Deine Weisheit, Deine Ruhe und Deine bedingungslose Liebe werden wir für immer vermissen. Lauf schnell über die Brücke. So schnell, wie du noch vor Wochen unterwegs warst. So bist und bleibst du in unserer Erinnerung. Lala, Du wirst immer in unseren Herzen sein und wir werden Dich nie vergessen. Wir sind froh, dass wir  mit Dir leben und Dich lieben durften. Lieber kleiner "gute Laune Hund", es war eine wunderschöne Zeit mit Dir. 

Könnte Lala reden, würde sie jetzt sagen: „Was zählt, sind die Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben und unsere innige Liebe zueinander, die ewig dauern wird. Trag mich in Deinem Herzen als die liebe, brave Lala, die ich immer war.“

Donnerstag, 31. Januar 2019

Dia del Galgo

Der 1. Februar, der "dia del Galgo". Ende der Jagdsaison in Spanien, einer jahrzehntelanger Tradition, veraltet und doch ein Teil der spanischen Kultur. Ein Tag, der Jahr für Jahr für Ängste sorgt. Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Tausende Galgos werden wieder aussortiert, Hunderte Galgos werden wieder vor den Toren der spanischen Tierheime Schlange stehen. Das sind die Glücklichen, denn Hunderte andere haben nicht solch ein Glück. Viele von ihnen werden einfach ausgesetzt, teilweise mit üblen Verletzungen, alten Brüchen, offenen Wunden.
 
Das gleiche passiert Jahr für Jahr in Italien. Ende der Jagdsaison. Hier sind es die Setter und Pointer, die Segugio und anderen italienischen Laufhunde, die aussortiert und weggeworfen werden. Auch hier gibt es unbeschreibliches Leid. Einige von den "Streunern" werden von den richtigen Menschen gesehen und diese Menschen lassen nichts unversucht, um diesen fremden sensiblen Hunde zu helfen. Sie wissen nichts über die Geschichten, die jeder von ihnen hat - sie kennen nur das Leid.
 
Und hier beginnt die Geschichte von Tammy, einer kleinen jungen Pointer Hündin, die das Glück hatte, von Tierschützern in den Bergen Maltas gefunden zu werden. Mit der Hilfe dieser Tierschützer kam Tammy nach Deutschland und damit zu uns.
 
Tammy, eine junge Hündin, geschätzt 2-3 Jahre, ein bildschönes Pointer Mädchen. Meine Hunde hier, die Pfotengang, haben sie ohne zu murren aufgenommen und ihr von Anfang an Sicherheit gegeben, ganz besonders die kleinen Zwergpinscher.
 
Tammys Verhalten war geprägt von Angst und Misstrauen. Schnell zeigte sich eine Verhaltensanomalien  bei ihr,  ein Zwingerkoller, auch Hospitalismus genannt. Tammy kreiselte durch den Flur, die Treppe hinunter, sie kreiselte über die Terrasse und durch den Garten. Sie lebte unter permanentem Stress. Tammy hatte Angst vor dem Napf, egal welche Farbe, welche Beschaffenheit. Tammy hatte Angst vor Dunkelheit.
 
Manch einer wird jetzt fragen "warum tut man einem Tier das an?" und "wird sich das bessern?" Zum heutigen Stand, nachdem Tammy nun 3 Monate bei uns lebt kann ich nur antworten, dass ich es nicht weiss. Aber ich weiss, dass sie sich ins Leben tastet. In winzig kleinen Schritten, macnhmal auch zurück. Durch ihr Verhalten hat sie mir so viel von ihrem früheren Leben erzählt: wie sie nachts auf der Suche nach Futter und Wasser ins Dorf schlich, dort immer wieder verjagt wurde, keine Sicherheit fand.
 
Hier fand sie als erstes Sicherheit auf dem Sofa. Tammy sagte: "mein Sofa, meine Burg". Immer schön zusammen mit meinen anderen Hunden. Besonders die kleine Pinscherhündin Honey hatte es ihr angetan. Dieses große Giraffen-Baby, wie ich sie manchmal nenne, küschelte gnadenlos mit Honey. Als nächstes eroberte sie sich einen Kennel. Kennel = Höhle. Da konnte sie endlich entspannt fressen. Was mich auch erstaunte: sie fand Sicherheit bei mir. Sie, die von Menschen nichts Gutes erfahren hatte, suchte meine Nähe. Mit mir zusammen erkundete sie den Garten, mit mir zusammen ging sie vorsichtig die Treppe hinunter, mit mir zusammen verließ sie ihr Sofa. Und sie kam nachts ins Schlafzimmer, tapste ganz vorsichtig aufs Bett und rollte sich still und leise zusammen.
 
An Spaziergängen, doppelt gesichert, hatte sie von Anfang an Spaß. Hundebegegnungen waren ohne Probleme, auf Menschen konnte und kann sie gut verzichten.
 
Und immer wieder gibt es kleine Überraschungen. Sagte Tammy heute: "Alleine auf dem Sofa sitzen ist blöd. Da geh ich mal zu den anderen ins Esszimmer". Setzte sich brav neben meinen Bruder, schaute ihn mit herzerweichendem Blick an ... und schon wanderte die Hand nach unten  Sie bettelt sehr manierlich. So wie sie alles sehr manierlich macht.
 
Schnee. Dieses weisse Zeug hat Tammy hier zum ersten mal kennen gelernt. Und bei Schnee verliert sie ihre Ängste, tobt und springt durch den Garten, hat richtig Freude und wird zum kleinen Clown.
 
Tammys Leben muss ruhig sein und klar strukturiert. Leise Töne sind wichtig, ruhige Bewegungen. Immer der gleiche Ablauf. Wie es weiter geht mit ihr? Keine Ahnung. Es wird ein sehr, sehr langer Weg, den wir zusammen gehen. Noch immer gibt es im Haus und Garten - von der Welt draussen will ich gar nicht sprechen - Ecken und Zimmer, die sie nicht kennt und noch nicht entdecken möchte. Mit der Zeit wird sie auch diese betreten, leise und vorsichtig. Ich denke, ich werde zum Pflegestellenversager werden.
 
Die Geschichte dieser Pointerhündin zeigt, dass es sich für jeden einzelnen Hund lohnt. Diese Tiere geben so viel, man muss ihnen nur zuhören und sich auf sie einlassen.
 
 
---