Donnerstag, 31. Januar 2019

Dia del Galgo

Der 1. Februar, der "dia del Galgo". Ende der Jagdsaison in Spanien, einer jahrzehntelanger Tradition, veraltet und doch ein Teil der spanischen Kultur. Ein Tag, der Jahr für Jahr für Ängste sorgt. Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Tausende Galgos werden wieder aussortiert, Hunderte Galgos werden wieder vor den Toren der spanischen Tierheime Schlange stehen. Das sind die Glücklichen, denn Hunderte andere haben nicht solch ein Glück. Viele von ihnen werden einfach ausgesetzt, teilweise mit üblen Verletzungen, alten Brüchen, offenen Wunden.
 
Das gleiche passiert Jahr für Jahr in Italien. Ende der Jagdsaison. Hier sind es die Setter und Pointer, die Segugio und anderen italienischen Laufhunde, die aussortiert und weggeworfen werden. Auch hier gibt es unbeschreibliches Leid. Einige von den "Streunern" werden von den richtigen Menschen gesehen und diese Menschen lassen nichts unversucht, um diesen fremden sensiblen Hunde zu helfen. Sie wissen nichts über die Geschichten, die jeder von ihnen hat - sie kennen nur das Leid.
 
Und hier beginnt die Geschichte von Tammy, einer kleinen jungen Pointer Hündin, die das Glück hatte, von Tierschützern in den Bergen Maltas gefunden zu werden. Mit der Hilfe dieser Tierschützer kam Tammy nach Deutschland und damit zu uns.
 
Tammy, eine junge Hündin, geschätzt 2-3 Jahre, ein bildschönes Pointer Mädchen. Meine Hunde hier, die Pfotengang, haben sie ohne zu murren aufgenommen und ihr von Anfang an Sicherheit gegeben, ganz besonders die kleinen Zwergpinscher.
 
Tammys Verhalten war geprägt von Angst und Misstrauen. Schnell zeigte sich eine Verhaltensanomalien  bei ihr,  ein Zwingerkoller, auch Hospitalismus genannt. Tammy kreiselte durch den Flur, die Treppe hinunter, sie kreiselte über die Terrasse und durch den Garten. Sie lebte unter permanentem Stress. Tammy hatte Angst vor dem Napf, egal welche Farbe, welche Beschaffenheit. Tammy hatte Angst vor Dunkelheit.
 
Manch einer wird jetzt fragen "warum tut man einem Tier das an?" und "wird sich das bessern?" Zum heutigen Stand, nachdem Tammy nun 3 Monate bei uns lebt kann ich nur antworten, dass ich es nicht weiss. Aber ich weiss, dass sie sich ins Leben tastet. In winzig kleinen Schritten, macnhmal auch zurück. Durch ihr Verhalten hat sie mir so viel von ihrem früheren Leben erzählt: wie sie nachts auf der Suche nach Futter und Wasser ins Dorf schlich, dort immer wieder verjagt wurde, keine Sicherheit fand.
 
Hier fand sie als erstes Sicherheit auf dem Sofa. Tammy sagte: "mein Sofa, meine Burg". Immer schön zusammen mit meinen anderen Hunden. Besonders die kleine Pinscherhündin Honey hatte es ihr angetan. Dieses große Giraffen-Baby, wie ich sie manchmal nenne, küschelte gnadenlos mit Honey. Als nächstes eroberte sie sich einen Kennel. Kennel = Höhle. Da konnte sie endlich entspannt fressen. Was mich auch erstaunte: sie fand Sicherheit bei mir. Sie, die von Menschen nichts Gutes erfahren hatte, suchte meine Nähe. Mit mir zusammen erkundete sie den Garten, mit mir zusammen ging sie vorsichtig die Treppe hinunter, mit mir zusammen verließ sie ihr Sofa. Und sie kam nachts ins Schlafzimmer, tapste ganz vorsichtig aufs Bett und rollte sich still und leise zusammen.
 
An Spaziergängen, doppelt gesichert, hatte sie von Anfang an Spaß. Hundebegegnungen waren ohne Probleme, auf Menschen konnte und kann sie gut verzichten.
 
Und immer wieder gibt es kleine Überraschungen. Sagte Tammy heute: "Alleine auf dem Sofa sitzen ist blöd. Da geh ich mal zu den anderen ins Esszimmer". Setzte sich brav neben meinen Bruder, schaute ihn mit herzerweichendem Blick an ... und schon wanderte die Hand nach unten  Sie bettelt sehr manierlich. So wie sie alles sehr manierlich macht.
 
Schnee. Dieses weisse Zeug hat Tammy hier zum ersten mal kennen gelernt. Und bei Schnee verliert sie ihre Ängste, tobt und springt durch den Garten, hat richtig Freude und wird zum kleinen Clown.
 
Tammys Leben muss ruhig sein und klar strukturiert. Leise Töne sind wichtig, ruhige Bewegungen. Immer der gleiche Ablauf. Wie es weiter geht mit ihr? Keine Ahnung. Es wird ein sehr, sehr langer Weg, den wir zusammen gehen. Noch immer gibt es im Haus und Garten - von der Welt draussen will ich gar nicht sprechen - Ecken und Zimmer, die sie nicht kennt und noch nicht entdecken möchte. Mit der Zeit wird sie auch diese betreten, leise und vorsichtig. Ich denke, ich werde zum Pflegestellenversager werden.
 
Die Geschichte dieser Pointerhündin zeigt, dass es sich für jeden einzelnen Hund lohnt. Diese Tiere geben so viel, man muss ihnen nur zuhören und sich auf sie einlassen.
 
 
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Kommentare:

  1. Gut das du dieses Thema in deinem Blog aufgreifst. Ich wusste das gar nicht. Und schon wieder was Grauenhaftes, was mehr in meinem Kopf ist. Der Mensch.....schrecklich.
    Liebe Grüße Marion

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    1. Ja es ist schrecklich. Unbegreiflich, dass es Menschen gubt, die diese wunderbare Tiere als Sache ansehen und wegwerfen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

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  2. Ich freue mich zu lesen, dass Tammy sich so langsam in ein Hundeleben vortastet ... und in Deiner Gang hat sie ja die besten Unterstützer. Pflegestellenversager ist übrigens eine Auszeichnung, die nur Menschen mit besonders großen Herzen bekommen.
    Ich freue mich schon auf weitere Berichte über die Süße.

    Ganz liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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  3. Ich wusste nicht um das Schicksal der Jagdhunde in Spanien und Italien. Ich bin darüber sehr bestürzt und frage mich, warum die Gurkengröße in der EU eigentlich genormt ist, der Tierschutz aber nicht.

    Ich bin froh, dass Tammy bei Dir ist und so diese wahnsinnige Chance auf ein gutes Leben hat. Über das Leid der anderen mag ist nicht nachdenken.

    Viele nachdenkliche Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Auch hier bei uns geschieht Unfassbares. Massentierhaltung, Tiertrasporte... und die Quälerei geht immer weiteer. In Kreis Landshut hat sich jetzt der Landrat geweigert, einen Transport freizugeben. Und schon klagt die Bauern-Lobby dagegen.

      Solange sich das Bewusstsein der Menschen nicht ändert und die "Geiz ist geil" Mentalität vorherrscht, wird sich nichts ändern. Weder in Spanien, Italien noch hier.

      Wusstet Ihr übrigens, dass nicht nur in Spanien, sondern auch in Italien und Frankreich in den "Tierheimen" getötet wird?

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  4. Es ist einfach furchtbar das Hunde in anderen Ländern einfach aussortiert werden wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Wie gut das Tammy gerettet wurde und sich nun bei euch an ein Hundeleben gewöhnen kann. Ihr werdet es schaffen - gemeinsam. Das wünsche ich euch von ganzem Herzen.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Aussortieren, töten. Das passiert in den meiste Tierheimen in useren beliebten Urlaubsländern. Das Wissen darum macht es für Tierschützer so schwer. Es gibt zu wenige Pflegestellen, die Hunde oder Katzen aufnehmen können.

      Mein Pflegeplatz ist besetzt, ich habe einen blinden dementen Hund hier und zwei sehr kranken Hündinnen. Und ich wurde gefragt, ob ich einen Not-Hund aufnehmen kann. Dass ich nein sagen muss, ist sehr belastend.

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